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Red Centre Australien
Outback
– nein danke!
Carola
Fegebank und Björn Elter sind mit dem Working Holiday Visum
ein Jahr in Australien. Späteres Auswandern nicht ausgeschlossen...
Denn Carola hat schon vor ihrer Ankunft einen Job als Reiseverkehrsfrau
in einem Reisebüro in Alice Springs im Zentrum Australiens
in der Tasche. Und das Versprechen eines Sponsorships, wenn
sie es nur zwei Jahre lang im Outback aushielte...
Noch daheim in Limburg hatte Carola am Flughafen
als Supervisor gearbeitet und Björn bei einer Versicherung.
„Super Jobs“ – wie ihre Freunde kopfschüttelnd
sagten, als sie diese kündigten, um Hals über Kopf
nach Australien zu reisen. Doch vor allem Carola zog es in die
weite Welt.
Drei Monate hielten sie es in Alice Springs aus,
Carola in ihrem Reisebüro und Björn in seinen zwei
Jobs als Tour Guide und Kellner: „Die Jobs lagen auf der
Straße, ich fand noch am ersten Tag etwas,“ sagt
Björn. Auch die Wohnungssuche klappte ohne größere
Probleme. Für ein modernes Dreizimmer-Apartment zahlten
sie nur 265 $ in der Woche. Nur mit ihrem etwas älteren
Modell von einem Auto gab es Probleme. „Das gab nach 348000
Kilometern schließlich seinen Geist auf, natürlich
gerade als meine Eltern zu Besuch waren,“ erzählt
Carola. „Wir waren zwischen Alice Springs und dem Ayers
Rock unterwegs, als das Auto nur noch piepte und das Kühlwasser
kochte.“ Und das ist kein kurzer Weg, denn im Northern
Territory haben Entfernungen andere Dimensionen als in Europa.
Glücklicherweise ist die Strecke nicht so einsam wie so
manch andere im Outback, auch wenn die beiden Orte immerhin
fünf Autostunden von einander entfernt sind. So war Hilfe
nicht weit weg – „und hilsbereit sind die Australier
alle!“
Das Northern Territory ist viermal so groß
wie Deutschland, 33 Mal so groß wie die Schweiz und 16
Mal so groß wie Österreich. Nur 200000 Menschen leben
dort, wo es heiß und staubig ist und zu viele Fliegen
gibt. Fliegen sind im Outback eine der größten Plagen
für Mensch und Tier. „Vor allem nach einem Regen
in der Nähe einer Viehstation – da darf man einfach
nicht stehen bleiben, da muss man sich immer bewegen,“
lacht Björn. Die Fliegen kriechen sonst überall hin,
an die Augen, in die Nase, den Mund, die Ohren...
Ungebetene Gäste waren die beiden während
ihres Outback-Abenteuers aber ziemlich schnell gewöhnt:
giftige Rotrückenspinnen, Riesenkakerlaken, handtellergroße
aber harmlose Huntsman-Spinnen und einen Skorpion fanden sie
in ihrer Wohnung. Schlangen blieben den beiden zumindest zu
Hause erspart: „Doch in der Wildnis haben wir schon mal
die eine oder andere gesehen.“ Und die sind dort so giftig
wie sonst nirgendwo. Der Inlandtaipan zum Beispiel gilt als
die giftigste Schlange weltweit.
Doch nicht nur kleine Tiere machten Carola und
Björn zu schaffen. „Einmal gingen wir in den MacDonald
Ranges in einem Wasserloch schwimmen. Björn war schon im
Wasser und während wir uns versahen, klaute ein Dingo ihm
einen seiner Schlappen.“ Der freche Dingo ward nie mehr
gesehen und Björn musste sich auf einem Bein hüpfend
umherbewegen, denn die rote Erde heizt sich bei 35 bis 40 Grad
Temperatur gewaltig auf.
Ein anderes Mal hatte es sogar 46 Grad. „Danach
gab es ein gewaltiges Gewitter und es prasselte nur so runter.
Selbst der Todd River, der eigentlich immer ausgetrocknet ist,
führte Wasser. Alle Leute rannten zum Fluss, manche gingen
sogar schwimmen. Es kühlte auf 19 Grad ab und uns war so
kalt, dass wir uns nachts zum Wärmen noch Handtücher
über die Bettdecken legten,“ erinnert sich Carola.
Obwohl sie in Alice Springs mitten im Aborigine-Land
lebten, „fand ein Leben mit den Aborigines leider nicht
statt.“ Erst registriere man sie überall und dann
irgendwann nicht mehr. Björn und Carola fanden das schade:
„Manche sind supernett, aber in Alice Springs sind leider
viele, die zuviel trinken.“ Die Probleme, die die Ureinwohner
umgeben, sind insgesamt vielschichtig. „Die Stämme,
die um Alice Springs leben, sind alle verfeindet. Das kann dann
bedeuten, dass kein Aborigine mehr bei dem Autohändler
kauft, der einen feindlichen Stammesgenossen eingestellt hat.“
Doch es gab auch Vieles, an das sich die Beiden
heute noch gerne zurück erinnern: „Die Sterne sieht
man nirgendwo besser als im Outback.“ Denn dort fehlen
die vielen Lichtquellen der Zivilisation, die das Sternenlicht
trüben. „Wir haben sogar den Kometen Mac Nord gesehen,
das war genial.“
Genossen haben sie auch die tollen Ausflugsmöglichkeiten
zum Ayers Rock oder in die MacDonald Ranges, doch insgesamt
gab es einfach zu wenig Ablenkung für die Beiden. „Am
Wochenende gab es einfach nichts zu tun für junge Leute.
Das mag anders sein, wenn man Kinder hat, aber in unserem Alter
kann man hier einfach nur sieben Tage die Woche arbeiten.“
Alice Springs ist mit seinen 30000 Einwohnern
zwar die größte Stadt im Outback, doch trotzdem:
„Jeder kennt dort jeden, und über die Geschichte
mit dem Dingo und Björns Schlappen redete zum Beispiel
die ganze Stadt.“ Schneller als gedacht waren Carola und
Björn bekannt wie die bunten Hunde und das, obwohl sie
noch zu den „Normaleren“ in Alice Springs gehörten.
„Es gibt dort einfach viele Wunderliche. Jemanden mit
Kordel-Hut, Kniestrümpfen bis zum Knie, T-Shirt und kurzer
Hose zu sehen, ist da nichts Ungewöhnliches.“
Carola und Björn sind immer noch in Australien.
Im Moment versuchen sie sich an den verschiedensten Gelegenheitsjobs,
beim Obstpflücken in Queensland, beim Kellnern oder auf
einem Boot... Der Traum vom Auswandern ist noch lange nicht
gestorben!
Siehe
auch:
Australien
Touren ...
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