Reisen Australien - Cape York Halbinsel (1)
Begegnungen im fernen Norden Australiens...
David Claudie ist ein traditioneller Landbesitzer, das heißt ein Aborigine, dem das Land (wieder) gehört. „Alle können hierher kommen, wir schließen die Tür vor keinem, aber wenn sie stören, dann können sie wieder gehen“, sagt er.
Dave möchte Camping-Kabinen für Camper bauen, aber dafür wurde ihm bisher kein Geld bewilligt. Die Grundpfeiler der Hütten stehen bereit im Wald. Einige internationale Besucher wie wir kamen schon zu ihm. Was ihm aber wirklich am Herzen liegt, ist, „den Schlamassel, der hier geschaffen wurde, aufzuräumen“. Er meint damit die eingeführten Pflanzen und Tiere, die dem Land Schaden zufügen. Deshalb arbeitet er auch mit der Wilderness Society zusammen, die die Natur am Cape York schützen möchte.
Dave studierte in Brisbane und lernte dort seine Frau Judith kennen. Sie sind seit neun Jahren verheiratet und haben drei Kinder: zwei Söhne (einer ist gerade zwei Monate alt) und eine Tochter. Judith sieht niederländisch aus, trägt eine Brille, hat zwei Kinder um sich herum und könnte genauso gut vor einem Reihenhaus in Hamburg stehen.
Ihr Haus sei eine „Hütte“, sagt Dave. Die Hütte hat ein helles Wellblechdach und der Schuppen (für die Buschausrüstung) mit durchsichtigen Moskitonetzwänden wirkt größer als das Haus selbst. Vor dem Eingang warten ein Geländewagen und ein gelber Traktor, neben den Gebäuden steht eine moderne Solaranlage, und eine Satellitenschüssel sitzt auf einer Dachecke.
Etwa hundert Meter den Waldweg runter liegt die Lagune fürs Trinkwasser, wo zwei Aborigines ruhig am Wasser sitzen und der eine sagt: „Nein, heute sind keine Krokodile hier“.
Judith brachte die Kinder in Cairns zur Welt, so wie es in dieser Region üblich ist. Da ist ein großes Krankenhaus, und Frauen verschwinden für drei Wochen und kommen mit Säuglingen zurück.
Dave verfolgt die Fernsehnachrichten, vor allem die regionalen, und liest die Zeitung in Flugzeugen. „Ich fliege nicht oft“, fügt er bescheiden hinzu, „nur in Notfällen, mit dem Flying Doctor Service oder so“. Dabei ist es bekannt, dass Dave ein gefragter Sprecher über Landrechte und –Management ist und dafür in die Städte düst.
Davids Ansicht nach ist es wichtig, sich als Aborigine in der westlichen Gesellschaft zu etablieren, sich hochzuarbeiten, eventuell eine Management-Stelle zu erreichen, um dann von innen Veränderungen bewirken zu können. Er sagt, dass er – wie in der westlichen Welt – seinem Nachbarn nicht in das reinrede, was er machen solle. Deswegen toleriert er auch die Ansichten anderer Aborigines, die sich viele Optionen für die Nutzung des Landes offen halten wollen. Zum Beispiel, dass an der Ostküste ganze Landstriche gerodet werden, damit die bis zu zehn oberen Meter rote Erde abgetragen werden können. Rio Tinto fördert dort Bauxite. Es ist die größte Bauxit Mine der Welt und trägt zur australischen Produktion von Aluminium bei. (Dazu mehr in Teil 2)
Im Tageslicht frage ich Dave, wo er seinen Antrieb und seinen höheren Glauben hernimmt. Er spricht von seinen Vorfahren – Leute sterben in seinen Augen nicht, sondern seien weiterhin bei uns, lebten im Land und in uns weiter – und er spricht immer wieder vom Land. Ich versuche, dies zu verstehen und fühle ansatzweise sein Konzept, dass es das Land/die Natur ist, die uns besitzt und nicht umgekehrt. In dem Sinne macht er auch keine großen Pläne für die Zukunft, denn das Land wird ihm zeigen, wie es weitergeht...
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