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Schrebergärten

Willkommen im Schrebergarten

Ausstellung
18. Mai - 30. September 2010
Goethe-Institut Australien, Melbourne
Eintritt frei

von Sabine Nielsen und dem Goethe Institut Melbourne

„Vor mir thront duftend der Kuchen; ich habe den Schlafrock an, die Füße stecken wohlig in den wattierten Pantoffeln. Es ist Sonntag, im Garten summen die Bienen. Ich stemme den Rücken behaglich gegen die wärmende Wand meiner Laube ...“ So zelebriert Wolfdietrich Schnurre 1959 in „Kaffeetrinken am Stadtrand“ die Laubenkolonie, den Schrebergarten.

BlumengartenWer hat nicht schon einmal auf einer Eisenbahnreise, in der Nähe des Stadtrandes, wohlwollend den Blick über die geordneten Quadrate einer Laubenkolonie, oder einer Ansammlung von Schrebergärten gleiten lassen? Wer kennt nicht jemanden, dem ein Schrebergarten gehörte; hat nicht schon einmal über die wetteifernden Unkrautzupfer und Salatgurkenzüchter gelächelt; die abgezirkelten, säuberlich geharkten Gartenwege bewundert; die herrliche Blumenpracht, die die wohlgedüngte, gehegte und gepflegte Erde hervortreibt, beneidet? Aber habt Ihr Euch schon einmal tiefgehendere Gedanken über dieses Scheibchen Deutschheit gemacht? Sind Schrebergärten ein Beweis Deutscher Kleinbürgerlichkeit oder ein Ausdruck des „sich-zu-helfen-Wissens“? Ist es die penible Ordnungssucht des Deutschen, die ihn treibt, auch aus nutzlosem Land etwas zu schaffen, oder seine einzigartige Genialität, die es dem Hochhausbewohner erlaubt, sich sein eigenes Plätzchen im Grünen zu sichern? Diese Fragen erforscht eine neue Austellung, die momentan das Goethe-Institut Australien in Melbourne beschäftigt. Es hat sich deshalb vorgenommen, dieses Jahr gerade diesem deutschen Stückchen „Kulturerbe“ besondere Aufmerksamkeit zu widmen und zeigt vom 18. Mai bis 30. September 2010 mehr zum Thema „Schrebergarten“.

Die typisch deutschen Kleingärtenanlagen sind Ende des 18. Jahrhunderts in Leipzig entstanden und haben sich in ganz Deutschland rasend schnell verbreitet. Zumeist sind sie in der Nähe großer Städte zu finden und dienen ihren Inhabern als Erholungs- und Rückzugsort vom stressigen Alltag, bieten ihnen ein eigenes Stückchen Natur und sogar die Möglichkeit, ihr eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Nebenbei haben sie nach und nach auch an sozialer Bedeutung gewonnen – Kontakte knüpfen zu anderen Gleichgesinnten und einfach abschalten, das fällt leicht im nach eigenen Vorstellungen gestalteten Schrebergarten.

‚Schrebergärten -’, so heißt es auch auf der offiziellen Goethe Institut Webseite, ‚ - der Begriff weckt unterschiedliche Gedanken. Von „oh je, in Beeten schuften, Spießbürgertum und kitschige Gartenzwerge“ – bis hin zu Sommer, Sonne und Gartenfeste. Unsere Ausstellung zeigt ein detaillierteres und vielfältigeres Bild: Pflanzen, Zäune, Blumen, Geräte, Gartenlauben, Gärtner und Gärtnerinnen, Vereinsleben - typisch Deutsch, typisch Schrebergarten!’

Wolfdietrich Schnurre, im Berlin der Nachkriegszeit, umgeben von Trümmerfeldern, die Erde unter den Ausräumungsarbeiten erzitternd, fasst das so zusammen:

„Ich falte die Hände und schaue auf mein heckenumfriedetes Eiland ... Ja, ja, denke ich, diesmal hast du’s geschafft ...“

Das etwas bizarre, nachdenken-fordernde Ende zu der Geschichte könnt Ihr mal selbst nachlesen. Die Ausstellung im Goethe Institut kann kostenlos besucht werden und zeigt Fotografien, Malereien und Filme zu diesem Thema und bietet in einiger Hinsicht vielleicht eine ganz neue Sichtweise auf diese deutsche Erfindung. Zu der Ausstellung werden kostenlose Führungen mit Aktivitäten für Schulklassen angeboten.

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Goethe Instituts

448 St. Kilda Road
Melbourne VIC 3004
(03) 9864 8999 

E-Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Open Mon-Thu 9am-5pm; Fri 9am-3pm


[1] Wolfdietrich Schnurre, „Kaffeetrinken am Stadtrand“ aus Das Los unserer Stadt; gefunden in: Hans Weber, Vorschläge 2, Inter Nationes, 1995, Bonn


Sabine Nielsen ist die Autorin der "Föhrer Familiensaga" - "cold cases" von der Insel Föhr.

 facbooks

Sabine Nielsen
PO Box 8036
Armadale  VIC 3143
AUSTRALIA
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.autor-sabinenielsen.com

 

 

 

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