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Reisen Australien - Cape York Halbinsel (2)

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Die größte Bauxit-Mine der Welt: Realitätscheck in der Wildnis...

Es sei schwierig, mit den Mitarbeitern von Rio Tinto in Kontakt zu kommen, sagt Journalist Rudolf Hermann, der das Treffen organisiert hatte. Und dann findet er sie erstaunlich offen, als wir mit ihnen sprechen. Rio Tinto erlaubte es australischen und internationalen Journalisten, sich in ihrer Bauxit-Mine umzusehen. Sie fahren uns in einem Bus über das Gelände. Wir dürfen nicht aussteigen – aus Sicherheitsgründen, aber Fotos aus den Fenstern machen.
Sie zeigen uns regenerierte Wälder, die seit Jahren auf dem Boden wachsen, der gerodet wurde, um an das Bauxit heranzukommen. Es ist ein Rohstoff, der wie lauter rohe, rote Erbsen aussieht, recht leicht ist und bei dessen Förderung die Bagger viel Staub aufwirbeln.

Die Kabinen der Fahrer sind versiegelt. Nachts ist das Gelände gut beleuchtet. Sie arbeiten 24/7, also rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Nur wenn die Sicht auf weniger als 200 Meter sinkt oder es zu windig wird, dann machen sie Halt. Das ist bei sehr starkem Regen oder Rauch oder Zyklonen. Rio Tinto schaufelt seit 40 Jahren Erde in Weipa, einem Ort mit einem Flughafen, wo Passagiere ihr Gepäck von Schiebewagen, wie bei der Post, abholt. Auf der anderen Straßenseite lodern zwei Feuer in der Ferne unter dem Halbmond. Das scheint keinen zu stören. Wir passieren einen Supermarkt, halten an einem Laden für Alkohol, der wie eine Tankstelle aussieht, und hören von einer Kneipe. Die Minenmanager planen, weitere 40 Jahre hier zu bleiben.

800 Vollzeitstellen schafft Rio Tinto. Darunter sind 18 Prozent Aborigines. Zudem erscheint der Frauenanteil mit 20 Prozent für eine Mine hoch. Der erste Satz in einer Rio Tinto Broschüre ist: „Angestellte arbeiteten mehr als zwei Millionen Stunden in 2006“.

Neben Arbeitsplätzen bietet die Firma den Strom für die Einwohner der Kleinstadt, die eine Schule für gut 800 Kinder hat. Die Zahl der Kinder wird bald 1000 erreichen. Trotz Wassersparmassnahmen in anderen Teilen Australiens wird hier auch mittags der Rasen gesprengt. Ein Gefühl des Überflusses liegt in der Luft. Das Gehalt eines Baggerfahrers, oder „Operator“, wie sie die Position nennen, beträgt rund AUD 50.000 im Jahr (ca. €2.600 brutto im Monat). Dazu kommen Zuschläge fürs Leben in der abgelegenen Gegend, den Schichtdienst, es gibt eine Wohnzulage und Flüge in andere Städte. Als Gesamtpaket steigt das Gehalt so auf das Doppelte und entspricht damit dem Einkommen eines IT-Experten in Sydney mit Top-Managementfähigkeiten. „Ja, sie bezahlen nicht schlecht“, sagt Zara Fisher von Rio Tinto, die gern in der Mine arbeitet und diplomatisch die Fragen der Journalisten beantwortet. Sie habe sich in der Männerdomäne behauptet (man dürfe nur keine Schwäche zeigen, dann werde man als Frau hingestellt); es sei ein guter Job, da man auch viel rumkomme. Sie ist verheiratet, denkt daran, Kinder zu bekommen, hat einen Hund als Haustier und sagt, eine der Herausforderungen sei es hier oben, Gemüse zu bekommen, denn wenn die Lieferung den Supermarkt erreiche, dann sei es nachmittags schon ausverkauft, sagt sie. Sie versuchen es, selbst Sachen anzubauen, scheiterten meist wegen des Wetters, aber ihre Tante pflanzt Kürbisse an. Die wachsen gut – verkaufen sich sogar.

Im klimatisierten Seminarraum des Gemeindehauses spricht Rob Atkinson, General Manager von Rio Tinto, ein junger Mann in Minen-Mode mit uns Journalisten. Wir essen Sandwichs und stellen Fragen. Rob erklärt, dass sie es Aboriginal Mitarbeitern beibringen wollen, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und dass Nachtarbeit normal sei. Viele Aborigines jedoch fürchten die Dunkelheit und einige seien fest davon überzeugt, dann seien Geister am Wassertank, sagt Rob. Rio Tintos Ansatz sei es, alle Mitarbeiter gleichförmig in den 24/7-Arbeitsrhythmus (vier Tage/drei Nächte arbeiten und vier Tage/drei Nächte frei) zu integrieren. Dabei arbeiteten sie im Vier-Schichten-Takt.

Jedes Jahr fördert Rio Tinto 18 Millionen Tonnen „trockenes Produkt“, wie es im Jargon heißt. „Das ist eine Menge Erde“, sagt Zara. Sie greifen die Erde mit Baggern, laden sie auf Laster, bringen das Material durch die Fabrik (lauter lange Fließbänder im Freien und Türme mit Etagen und Treppen wie bei einer Raffinerie oder wie auf einem Schiff – die Fabrik stand bei unserem Besuch still, da eine Routine-Wartungsarbeit gemacht wurde) nebenan, lagern den Rohstoff als rote Pyramiden und verschiffen ihn vom Hafen gegenüber. Ihr Minengebiet erstreckt sich über etwa das westliche Drittel der Cape York Halbinsel. Sie graben nicht weit, aber flächendeckend.
23 Caterpiller Belly Dumpers (Model 776, sie können ihre Ladung durch eine Bauchluke loslassen) mit je sieben Gängen und zehn Reifen (zwei vorne und zweimal zwei jeweils in der Mitte und hinten) und fünf Rear Tipper brausen über das Straßennetzwerk der Mine.

Rob ist ein sympathischer Mann. Es klingt so als ob sie offen reden, als ob man nichts weiter einwenden könne. Das Gefühl kommt auf, es sei ja nicht so schlimm, da nichts Explosives verwendet werde und nach der Nutzung Samen für neue Bäume und Pflanzen gesät werden. Einmal wird gedüngt und dann ist gut. Aber Glenn Walker von der Wilderness Society sieht diese „regenerierten“ Wälder und sagt: "Sie sind entschieden anders als die gesunden Wälder, weil dort ganz andere Baumarten sind; außerdem sind da keine alten Bäume, die den Lebensraum für so viele verschiedene Tiere bieten.“ Auf die Frage hin, ob sie mit dem neuen gewachsenen Wald zufrieden seien, gibt Rio Tinto zu, dass es noch nicht optimal sei. Vorher pflanzten sie diverse Bäume und Büsche; nun achteten sie darauf, nur das zu pflanzen, was hier früher wuchs.

Die Landkarte der Wilderness Society zeigt, dass es da, wo Bauxit ist, die hohen, so genannten Darwin Stringybark Tall Woodlands gibt. Wenn das Bauxit weg ist, dann können diese besonderen Baumarten auf dem bearbeiteten Boden nicht mehr wachsen, weil das Bauxit den Wasserhaushalt managt.

Glenn Walker kämpft deswegen mit seinen Kollegen um den Erhalt der Cape York Peninsula, so wie sie ist. Ziel ist es, die Halbinsel zum Weltkulturerbe zu ernennen: „Wenn Cape York zum Weltkulturerbe erklärt wird, dann ist es zusammen mit dem Great Barrier Reef im Osten und den Wet Tropics Rainforests im Süden das größte Weltkulturerbe überhaupt“. Die Regierung von Queensland fällt in diesen Wochen die Entscheidung darüber.

 

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